
„Imaginary Chambers“ ist eine künstlerische Expedition an der Schnittstelle von Musik, Raum und Wahrnehmung, die im Zitat von Franz Xaver Baier ihren Ausgangspunkt nimmt: „Unser Lebensraum besteht aus mehr als nur einem Raum. Unser Lebensraum ist ein Raum im Raum, im Raum…“ – ein Gedankenexperiment über die Vielschichtigkeit des Raums. Das Konzert lädt dazu ein, die Übergänge zwischen akustischen, visuellen und geistigen Räumen zu erkunden und so neue Wahrnehmungen zu kreieren.
In diesem Konzert treffen kammermusikalische Werke auf visuelle Segmente, die die Grundlage für Improvisationen und musikalische Interaktionen bilden – dies immer in der für LUX:NM außergewöhnlichen Klangsprache.

Georgia Koumarás „Unfurl“ untersucht die Schnittstellen zwischen akustischer Performance, elektronischer Erweiterung und computerbasierten Prozessen.
Instrumentale Gesten werden durch elektronische Manipulation erweitert, gebrochen und neu kontextualisiert, wodurch hybride Klangtexturen entstehen. Glitches, Mikro-Unterbrechungen und andere Formen klanglicher Instabilität sind bewusst Teil des Werkes und machen das Potenzial von Imperfektion innerhalb eines kompositorischen Rahmens hörbar. Intensität, Dichte und Präsenz verschieben sich fortlaufend, oft im Zusammenspiel mit diesen klanglichen Brüchen. So entsteht ein kontinuierlicher, sich ständig wandelnder Prozess, in dem Kontrolle, Zufall und digitale Erweiterung untrennbar miteinander verbunden sind.
In „Cadenza“ lässt Lisa Streich ein motorisiertes Klavier zu einer eigenen Stimme finden. Feinste Geräusche, Reibungen und vibrierende Impulse formen eine fragile Klangminiatur, in der Mechanik und Ausdruck ineinandergreifen. Die traditionelle Idee einer virtuosen Kadenz wird hier poetisch verwandelt: Nicht der Mensch steht im Vordergrund,
sondern das Instrument selbst.
Kristine Tjøgersens „Bubbles“ ist eine Videopartitur, bei der die Musiker:innen während des Spiels den eingeblendeten Bildern folgen. Ein Teil des Ensembles orientiert sich an der rechten Seite des Bildschirms, der andere an der linken. Die musikalische Gestaltung entsteht aus dem sich wiederholenden Blasenmuster, das sich im Verlauf des Films
verändert und von den Spieler*innen nachvollzogen wird.
Charlotte Seither – Echoes of O´s (Video: Florian Japp)
„Echoes of O’s“ besteht aus stummen Gesten, Bewegungsformen. Die Wahl der Gesten ist durch drei Grundtypen vorgezeichnet (fast, slow, frozen), unterliegt in der konkreten Ausformung jedoch den Interpret*innen. LUX:NM hat sich für eine visuelle Umsetzung in Form eines Videos entschieden.
Es entsteht der Eindruck eines präzise ausgearbeiteten, rhythmisch pointierten Verlaufs, in dem sich das Stück als „pure musikalische Form“ darstellt. Auf die Erzeugung jedweden Klangs wird dabei bewusst verzichtet. „O“ meint den Laut in all seinen verschiedenen Bedeutungen, dieser kann dabei, je nach gestischem Kontext, eine völlig neue Bedeutung erhalten. Gleichwohl sind Inhalt und “Text“ des Stückes vollständig frei.
Die grafischen Partituren des bildenden Künstlers Florian Japp übersetzen musikalisches Denken in visuelle Strukturen. Linien, Flächen und rhythmische Setzungen werden zu offenen Spielanweisungen, die die Interpret*innen zu eigenen klanglichen Entscheidungen anregen. Japps Arbeiten bewegen sich zwischen Zeichnung, Komposition und räumlicher Notation – sie eröffnen einen Erfahrungsraum, in dem Sehen und Hören ineinandergreifen.
Mit „Imaginary Chambers #3“ erschafft das Ensemble LUX:NM seine eigene Klangarchitektur – ein kollektives Werk zwischen Komposition und Improvisation, Struktur und Intuition.
Ausgehend von individuellen Klangideen und improvisatorischen Impulsen erschaffen die Musiker*innen gemeinsam ein Geflecht aus Bewegung, Resonanz und Raum. Jede Stimme bringt ihr eigenes Idiom ein, jede Geste wird zum Impuls für die nächste. So entsteht eine Musik, die sich selbst formt – offen, atmend, im ständigen Aushandeln zwischen Kontrolle und Loslassen.„Imaginary Chambers“ ist kein fertiges Werk, sondern ein Prozess: ein lebendiger Organismus aus Klang, der sich im Moment entfaltet, verschiebt, verdichtet und wieder auflöst. Es ist der utopische Raum, in dem das Ensemble sich selbst begegnet – ein Ort, an dem Zuhören zur Komposition wird.
LUX:NM
Seit 15 Jahren leistet das Ensemble LUX:NM einen signifikanten Beitrag zur zeitgenössischen Musikszene in Bezug auf Besetzung, Klanglichkeit und Ästhetik. Das Ensemble wurde 2010 von Ruth Velten und Silke Lange gegründet, um selbstbestimmte und vielseitige Kammermusikprogramme mit einer klanglich flexiblen Besetzung zu erarbeiten.
LUX:NM versteht sich als Initiator:in und Entwickler:in neuer Konzepte in der Musik, die Mitglieder des Ensembles komponieren, improvisieren, interpretieren und kuratieren, sie entwickeln eigene dramaturgische und szenische Ideen. Dieser künstlerisch-kreative Aspekt steht im Zentrum des Kollektivgedankens. Die intensive Ensemblearbeit
ermöglicht außergewöhnliche neue Projekte, in der interdisziplinäre ebenso wie transkulturelle Ansätze selbstverständlich ihren Platz finden. So setzen sich die Musiker*innen des Ensembles neben der Aufführung bereits bestehender Kompositionen besonders dafür ein, neue Werke und Formate zu initiieren und in ihr Repertoire aufzunehmen.
Das Ensemble ist regelmäßig auf renommierten internationalen Konzertpodien wie Festivals zu Gast und hat zudem mehrere Alben veröffentlicht.