17.September 2022 | 20 Uhr

Konzert

Musik der Betriebssysteme, Performance mit Instrumenten und Glühbirnen
Foto: Hannes Schneider

Musik der Betriebsysteme

Musik & Lichtperformance

Jaap Blonk (NL) – Stimme
Dirk Marwedel  – Erweitertes Saxophon
Michael Vorfeld – Glühlampen

Jaap Blonk, Dirk Marwedel und Michael Vorfeld arbeiten – jeder für sich wie in ihrer Zusammenarbeit – seit Langem mit Vorliebe über Grenzen künstlerischer Disziplinen und Materialien hinweg. Sie holen musikalisch aus, um auf dem Gelände der Performance einzuschlagen, destillieren feine Klanggewebe aus einer Lichtinstallation, entfalten das musikalische Potential von Steinen und Alltagsgegenständen oder komprimieren Sprache zu einem explosiven Granulat der Phoneme.
Zu dritt betreiben sie hochkarätige musikalische Grundlagenforschung und schürfen am Ursprung ihrer instrumentalen Produktionsbedingungen, wo sie mit der ungebremsten sinnlichen Freude des Musizierens Klänge zutage fördern, deren Schönheit allgegenwärtig und zutiefst verborgen zugleich ist. Statt den vorab definierten Ergebnissen auf der Benutzeroberfläche ihrer Instrumente, dem Leuchten der Lampe, dem sauberen Ton oder dem verständlichen Laut, geben sie den Rhythmen und Motivbildungen des Stromflusses bei der Erzeugung von Licht, den komplexen Klangschichtungen der durch Schläuche und Röhren strömenden Luft, der Dynamik der Reibungen, Schwingungen und Eruptionen menschlicher Lautbildung den Vorzug – der Musik ihrer Betriebssysteme.
 
Jaap Blonk ist Komponist, Dichter, Klangpoet und Performer. Hauptmedium beim Entdecken und Erforschen neuer Klänge ist die Stimme. Seit dem Jahr 2000 bezieht er auch Elektronik in seine Arbeit mit ein und seit 2006 untersucht er die Möglichkeiten algorithmischer Komposition für die Schöpfung von Musik, visueller Animation und Poesie.
Auftritte führten Jaap Blonk durch Europa, die USA, Kanada, Indonesien, Japan, Südafrika und Lateinamerika. Neben seinen Soloperformances arbeitete er u. a. mit Maja Ratkje, Mats Gustafsson, Nicolas Collins, Joan La Barbara, The Ex, dem Netherlands Wind Ensemble, der Ebony Band und dem Bild- und Computerkünstler Golan Levin zusammen, brachte Kompositionen von Carola Bauckholt zur Uraufführung und produzierte Arbeiten im Hörspielbereich. 2002 schrieb er eine Auftragsarbeit für die Donaueschinger Musiktage.
Seine Musik ist auf zahlreichen CDs bei seinem eigenen Label Kontrans sowie bei Staalplaat, Basta und VICTO erschienen.

-> www.jaapblonk.com
 
Dirk Marwedel arbeitet seit 1985 im Bereich der Improvisierten Musik und angrenzender musikalischer Konzepte. Solistisch sowie in einer Vielzahl von kontinuierlichen Gruppen und Zusammenarbeiten hat er durch die Entwicklung eigener Tonbildungstechniken und instrumentaler Präparationen das Vokabular des Saxophons stetig erweitert.
Mit >TonSchiefer< bespielt der auch als Steinbildhauer ausgebildete Dirk Marwedel ein Feld nicht temperierter Schiefertafeln mit eigens dafür erarbeiteten Schlag-, Klopf-, Reibe- und Wurftechniken.
Darüberhinaus entwirft er auch mit den Mitteln von Klanginstallation, Performance, bildnerischer Installation und Dokumentation Situationen gegenwärtigen Wahrnehmens.
Dirk Marwedel lebt bei Wiesbaden, ist dort Mitglied der Kooperative New Jazz und Mitbegründer und -veranstalter des HumaNoise congress – Tage Improvisierter Musik. Seine musikalische Arbeit ist auf bisher fünfzehn Tonträgern dokumentiert.

-> www.artist-wiesbaden.de/Dirk Marwedel
 
Michael Vorfeld ist Musiker und bildender Künstler, spielt Perkussion und selbst entworfene Saiteninstrumente und realisiert elektro-akustische Klangarbeiten. Er arbeitet in den Bereichen experimentelle Musik, improvisierte Musik und Klangkunst, entwickelt ortsbezogene Installationen und Performances mit Licht und arbeitet mit Fotografie und Film. Licht und Klang verbindet er u. a. in der musikalisch-konzertanten Nutzung eines Sets aus Glühlampen.
Er ist Mitglied verschiedener Formationen und kooperiert mit Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen. Seine Aktivitäten umfassen vielfältige Konzert-, Performance- und Ausstellungstätigkeiten in Europa, den USA, Asien und Australien sowie zahlreiche Tonträgerproduktionen.

-> www.vorfeld.org

Konzert Augst/Carl/Fischer wird krankheitsbedingt auf einen späteren Termin verschoben !

Fotos v.l.n.r.: Rüdiger Laske, Siegfried Martin, Sophie Cwickla

Augst/Carl/Fischer : Hugo Ball - Lieder

Songs & Improvisationen

Oliver Augst  – Stimme
Rüdiger Carl 
– Plattenspieler
Jörg Fischer 
– Schlagzeug

Das Trio geht vom Klang der Wörter, vom offenen Charakter der Texte Balls aus, setzt mit beweglichen und wendigen kompositorischen Gestaltungsverfahren und gelenkter Improvisation an. Charakter und Formverlauf eines Gesangs/Lied-Fragments sind grob festgelegt, werden im einzelnen durch Spontaneität und Entscheidungsfreiheit überprüft und variiert, präzisiert.

Oliver Augst (Paris, Frankfurt, Ludwigshafen)
Musik-, Hörspiel- und Bühnenproduktionen, sehr variable Ensembles und Kooperationen, internationale Konzerttätigkeit.
‚Frankfurts zentraler Künstler im experimentellen Grenzbereich von Musik, Hörspiel, Literatur und Theater.‘  (M. Pees Mousonturm).
‚He is a musician that is crossing real boundaries. If you haven’t heard of him, it’s because he’s crossed a boundary that matters.‘
(Downtown NYC)

Rüdiger Carl ( Frankfurt)
spielt Klarinette und Akkordeon. Der Free Jazz Künstler pflegt langjährige musikalische Partnerschaften, unter anderem mit Irène Schweizer, Hans Reichel, Sven-Åke Johansson und Oliver Augst. Carl ist Begründer des Quintetts COWWS, sowie des Canvas Trios mit Carlos Zingaro und Joëlle Léandre. Dem Globe Unity Orchestra gehörte Rüdiger Carl von 1973 bis 1976 an. In Frankfurt a.M. gründete er 1993 das Forum Improvisierender Musiker (FIM). 2014 erschien der biografische Gesprächsband Ab Goldap, in dem Carl über den künstlerischen Einfluss seiner Flucht aus Ostpreussen als Kind und weitere relevante Stationen spricht.

Jörg Fischer (Wiesbaden)
Nach einem Schlagzeugstudium in Mainz bei Janusz Stefanski mit Schwerpunkt Jazz ist Fischer seit 25 Jahren vor allem als Impro- und Freejazz-Drummer aktiv, bezieht dabei auch Anregungen aus Avantpunk und klassischer Neuer Musik. Damit ist ein facettenreiches Feld umrissen, welches er in einigen sehr unterschiedlichen Bands beackert – allen gemeinsam bleibt der Fokus auf die freie Improvisation.

Karten: 14 €, erm. 9 €