KOWALSKI'S KATZ'
oder the Rest of the fuckin' Story
Instrumentaltheater von Volker Heyn (2002/03)
für Percussion, Keyboard, E-Gitarre, E-Bass, elektrifiziertes Cello, Tonband und Live-Electronics

Kowalski - Volker Heyn
Perkussion - Rie Watanabe
Keyboards - Christoph Stöber
E-Gitarre - Steffen Ahrens
Cello - Jan-Filip Ťupa
E-Bass - Niklas Seidl
Klangregie - Roman Pfeifer
Dramaturgische Beratung - Verena Billinger


Eine Kooperation von hand werk, leise dröhnung, Jan-Filip Ťupa & Volker Heyn



Samstag 27.06.2015, 21 Uhr
Kunstwerk Köln

Deutz-Mühlheimer-Str. 127, Köln-Deutz
Eintritt AK 10.-, ermässigt 5.-



Montag 29.06.2015, 20 Uhr
Walhalla Spiegelsaal

Mauritiusstr. 3a, Wiesbaden
Eintritt AK 12€, VVK 10.-, ermässigt 6.-/5.-




Kowalski's Katz' oder the Rest of the fuckin' Story

Ein Instrumentaltheater nach Eindrücken aus Jurek Becker’s Roman Jakob, der Lügner.

Was haben wir?
Ein Ghetto, eine kleine jüdische Gemeinde.
Jakob Heym gibt vor über sein vorgetäuschtes Kurzwellenradio immer informiert zu sein über die Stellungen der befreienden Mächte, von Osten und gleichzeitig von Westen anrückend.
Von Osten der nicht geliebte „Russe“ von Westen die Verheissung, der „Amerikaner“

Jakob will seiner Gemeinde Hoffnung machen auf ein Überleben, in dem er seiner Gemeinde ständig neue Erfindungen und Lügen über das baldige Eintreffen der Befreier und das Ende ihrer Qualen präsentiert.
Jakob hat kein Radio; sein bester Verbündeter Kowalski weiss das und Kowalski schützt Jakob vor dem Misstrauen der Gemeinde.

Jakob weiss: der einzige Weg an die Wahrheit zu kommen ist die Blockwart-Toilette, wo Nazi-Wächter Heimatpost, Pornos und Weltnachrichten lesen. Sein Plan ist es unbemerkt sich in die Toilette einzuschleichen um an die Frontnachrich-ten zu gelangen.
Jakob weiss auch, dass nichtarischen Personen und Ghetto Insassen der Zutritt zu diesem Ort unter schlimmster Strafe verboten ist.
Jakob folgt seinem Plan …

Jakob Heym (Jake) war zum letzten Mal gesehen als Passagier der berüchtigten Da-70 Eisenbahn auf dem Weg nach Osten.
Jakob wurde Opfer einer perfekten, pathologisch-paranoiden Tötungsmaschinerie.

Der Rest der Geschichte:
Kowalski, der Erzähler hat überlebt.
Kowalski ist um 1947 in Manhattan, Lower East Side angekommen. In den folgenden Jahren verbringt Kowalski seine Zeit damit das Trauma, die Erinnerungen an Jakob (Jake) niederzuschreiben und auf Tonband zu sprechen. Er muss feststellen, dass er die Gespenster der Vergangenheit gerufen hat.

Anhang: Bis vor wenigen Jahren war Kowalski führendes Mitglied eines weltweit operierenden Instituts zur Förderung Von Unbequemen Erkenntnissen. Er lebt heute in Red House Mansions, Boa Boa, SE Oceania. Kowalski hat 2 Kinder und mindestens 4 Enkel und eine Katz.

Das Auftragswerk Kowalski’s Katz wurde uraufgeführt im Jahre 2003 von der Schweizer Gruppe Katarakt.


Volker Heyn März 2015





Kowalski's Katz' oder the Rest of the fuckin' Story


INTERVIEW mit Volker Heyn

Jan-Filip Ťupa: Bei unserem ersten Treffen im Kunstwerk Köln hast du ein starkes Statement abgegeben: deine Musik sei poetisch, elektronisch, gewaltig, aber nicht „Neue Musik“…

Volker Heyn: Poetisch, elektronisch, ja….. niemals gewaltig. Nichts wäre schlimmer als gewaltige Musik. Dass diese Musik nicht typisch nach neuer Musik klingt, dafür ist schon gesorgt durch das Instrumentarium; und natürlich durch die Art wie ich mit den Texten umgehe. Diese sind übrigens nie Orginaltexte aus J. Becker’s Buch.


JF: Du sagtest auch, deine Musik ziele dorthin, wo es wehtue. Kowalski’s Katz‘ hat in der Tat eine ziemlich beschissene „fuckin‘ Story“.

V: Missverständnis … vielleicht habe ich von gewissen Frequenzen gesprochen, die in dieser Musik schmerzend herüber kommen. Aber explizit Musik zu schreiben, die dorthin zielt, wo es weh tut ist nicht mein Stil. Vergiss nicht, ich bin Romantiker.


JF: Ich glaube, du bezeichnetest mit „wehtun“ vielmehr den bildlichen oder realen Ort in der Gesellschaft. Also, warum gehen wir mit Kowalski’s Katz‘ in ein (ehemaliges) Industriegebäude und nicht in einen Konzertsaal oder ein Theater?

V: Kowalski’s Katz in einem ehemaligen Industriehinterhof mit Ghetto-Atmosphäre aufzuführen? Gut, warum nicht. Kowalski’s Katz ginge aber auch gut bei den Schwetzinger Schlossfestspielen oder bei den Salzburger Festspielen. Ich meine, diese Musik und ihre Thematik muss überall hin; sie muss in der Fabrik und sie muss auch in unseren wohlfeilen Hochkultur Tempeln erklingen. Erinnere dich ; wir spielen auch im allerschönsten ,salon-haften Kurbad Theater bei den feinen Leuten. (damals)…….oder?.


JF: Ja im Wiesbadener Walhalla – ein krasser Gegenentwurf zum Kunstwerk Köln: Kronleuchter statt nackter Glühbirnenkette, Stuck statt Backstein. Aber beide Orte mit dem morbiden Charme des Verfalls geschmückt … Im Untertitel heißt Kowalski’s Katz‘ „Instrumental Theater für Percussion, Keyboard, E-Gitarre, E-Bass, elektrifiziertes Cello, Tonband und Live-Electronics“. Außerdem gibt es auch einen Sprecher/Performer: Kowalski. Wie ist das Verhältnis von Handlung/Sprache zu Instrumenten? Was ist das überhaupt, ein Instrumental Theater?

V: Kowalski ist nicht Sprecher und nicht Performer. Kowalski – wie einer von draussen kommend –schreibt Texte an die Wand ….. das heisst er erweitert die Texte, die schon an der Wand existieren. Verhältnis Handlung/Sprache zum Instrumentarium; die uralte Frage…. Ich kann sie nicht beantworten. Handlung: bei Kowalski’s Katz würde ich gar nicht von Handlung im streng dramaturgischen Sinne sprechen. Was wir haben sind allenfalls - wer soll das verstehen ?- gehackt symbolische, eingefrorene Reflexe .


JF: Kowalski und die Katz‘ – der Teil des Titels ist mir immer noch nicht klar. Wo ist die Katze? Was macht sie da? Der catman bist doch Du? (und: hast du dir die Rolle des Kowalski auf den Leib geschrieben? )

V: Catman haben mich die Katarakt Leute genannt. Die Katze haben wir nur im Geiste. Vielleicht ist sie des historischen Kowalski’s liebster Gefährte und Spieltier seiner Kinder und Enkel. Sie begegnet uns hier in Kowalski’s a cappella Katzenschnulze auf Tonband.


JF: Nochmal zum Instrumentarium. Einerseits gibt es recht ansehnliche Massen von Metallschrott, auf dem sich zumeist der Schlagzeuger bewegt und spielt, und auch auf dem Tonband findet sich eine Menge haarsträubender metallischer Klänge. Woher stammt deine Faszination für diese Klangwelt?

V: Ah, die Klangwelt das vibrierenden Metalls. Dazu aus meiner australischen Bio >>…. fürs Brot: Teilzeitjobs als Sandwich Boy in Metall verarbeitenden Fabrikhallen …. Dort die erste Begegnung mit Klang der „metallischen Art“ …….. inspiriert ……. Anschaffung einer damals primitiven Tonbandmaschine …………. Experimente mit den so genannten „hard and soft edges of reverberating metal“<< ………. Credo: Poetry in Noise …….. Remember: NOTHING’S NICER THAN A NICE NOISE


JF: Andererseits ist dort das Rockband-typische Lineup elektronsicher Saiteninstrumente und Keyboards, die du mit folgender Spielanweisung beschenkst: „an unmanneristic, unpretentious, straight forward, strange type of Rock-sound should be achieved …… without it becoming a cheap sort of copy of the Real Thing …….

V: …… which should be difficult …….. Try.”






Kontakt: info@panakustika.de
Samstag 27.06.2015 Im Rahmen der Plattform für künstlerische Produktion von ON – Neue Musik Köln.
Gefördert durch die Stadt Köln sowie die RheinEnergieStiftung Kultur.
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Montag 29.06.2015 Veranstaltet von der Kooperative New Jazz Wiesbaden in Kooperation mit dem Walhalla Theater.
Gefördert durch das Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, ausgezeichnet als Konzert des Deutschen Musikrates.
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